Masterarbeiten

Hier findet sich eine Übersicht der Masterarbeiten, die im Umfeld der Forschung und Lehre von QuaDramA entstehen:

Sonja Eberhardt
Hebbels Töchter
[Arbeitstitel]
Die geplante Arbeit analysiert die Dyade Vater und Tochter in den Dramen Maria Magdalena und Agnes Bernauer von Christian Friedrich Hebbel auf neue Weise. Über die Figurenrede lassen sich bislang in der Forschung unerwähnte Figurenkonzeptionen erschließen. Analysen ergaben, dass sich die Vaterfiguren im Groben zwischen der gesellschaftlichen Komponente ‘Patriarchat’ und den psychologischen Komponenten ‘Zorn und Zärtlichkeit’ aufzuhalten scheinen. Die Studie wird auch den Umgang zwischen den Figuren untersuchen: Worin genau besteht dieser? Ist er zum Beispiel durch aggressives, grobes Vokabular geprägt? Wann und wie sind aggressive Aussagen zärtlich zu deuten (wenn man auf die Leidensgeschichte einer Figur blickt)? Im Fokus stehen dabei die vier gegensätzlichen psychologischen Merkmalspaare ‘renitent und labil’, ‘zärtlich und aggressiv’, ‘intra- und extravertiert’ und ‘resilient und gehorsam’. Bisher lässt die Forschung tiefgründige Analysen über diese Dyade und die psychologischen Merkmale, die das Verhältnis zwischen den Figuren determinieren, aus.

Christiane Schneider
„Du pfeiffest / wie dir der Schnabel gewachsen ist“ - Die Scaramutza-Figur im deutschsprachigen Drama

Scaramutza ist ein klassischer Typus der Commedia dell´arte, der sich im 17. Jahrhundert auch im deutschsprachigen Theater wiederfindet. Die Fremd- und Eigenkommentare zu den Eigenschaften dieser komischen Figur bewegen sich zwischen prahlerischem Aufschneider und närrischem Diener. Die Masterarbeit soll eine detaillierte Darstellung der Figur sowie ihrer Eigenschaften und ihrer Entwicklung im deutschsprachigen Drama Kaspar Stielers unter Berücksichtigung ihrer Wurzeln leisten. Untersuchungsgegenstand der Arbeit werden die Dramen der „Rudolstädter Festspiele“ sein, die zwischen 1665 und 1667 im höfischen Kontext aufgeführt wurden.

Dominik Wabersich
Faust um 1800
[Arbeitstitel]
Dominik Wabersich widmet sich in seiner Masterarbeit der dramatischen Faustfigur um 1800. Er geht davon aus, dass sie nicht als Einzelphänomen, sondern als transmediale Erscheinung zu verstehen ist. Das bedeutet, dass hinter den einzelnen Faustfiguren, ein noch zu konstruierender Figurentypus ‚Faustus‘ angenommen werden kann. Das Ziel der Arbeit stellt ein nuanciertes Bild der dramatischen ‚Faustfigur‘ um 1800 dar. Dieses soll – einem Palimpsest ähnlich – einen durch Einzelausformungen überschriebenen Figurentypus ‚Faustus‘ erkennen lassen, welcher im Kern durch Devianz geprägt ist. Im Zentrum der Arbeit stehen die Analyse und Interpretation der Faustfigur in den Faust-Dramen Paul Weidmanns (1775), Friedrich Maler Müllers (1778), Josef Karl Bernhards (1816) und Johann Wolfang Goethes (1808 und 1832). Neben einer Untersuchung der Devianz der einzelnen Fausterscheinungen, erfolgt eine Analyse der Figureneigenschaften und der Art der Figurenzeichnung. Zudem erscheint die ästhetische Umsetzung interessant; d.h. unter anderem die Positionierung Fausts in den Dramen. In diesem Zusammenhang wird den Fragen nachgegangen, inwieweit einzelne Gattungen Faust als Kontrastfigur einsetzen, welche Position Faust in der Figurenkonstellation zukommt, oder inwieweit Momente der poetischen Gerechtigkeit in die Dramen Eingang finden.

Nathalie Wiedmer
[Kein Arbeitstitel bisher]
In der Arbeit sollen größere Dramenkorpora mit Hilfe verschiedener Mittel der quantitativen Textanalyse untersucht werden, um gängige Forschungsmeinungen zu bestätigen oder zu widerlegen.

Nina Wittmann
Figurentypen im Expressionistischen Drama
[Arbeitstitel]
Ziel der Arbeit ist es, die Figurentypen im expressionistischen Drama und ihre Funktionen systematisch zu analysieren. Mögliche Texte sind hier u.a.: »Der Sohn« von Walter Hasenclever, »Die Wandlung« von Ernst Toller sowie Georg Kaisers »Von morgens bis mitternachts«. Ausgangspunkt der Analyse ist, dass die Typisierung vor allem anhand sozialer Kategorisierungen erfolgt. Das konventionelle Schema der Figurentypen, das häufig direkt mit spezifischen Rollenfächern im Theater zusammenhängt (zärtlicher/ernster Vater, erster Liebhaber, komische Alte etc.) wird hier zur Bestimmung der Typen nicht ausreichen und muss deshalb um neue Typen ergänzt werden, die am Text herausgearbeitet werden sollen. Zudem muss unbedingt miteinbezogen werden, ob und inwieweit sich manche Figuren in ihrer Gestaltung dynamisieren und welche Folgen diese Entwicklung hat. In einem nächsten Schritt wird untersucht, welche Funktionen die typisierte Figurengestaltung insgesamt erfüllt. Ausgangspunkt ist die These, dass sich durch eine genaue Analyse der Figuren eine übergeordnete ideelle Vorstellung des Allgemein-Menschlichen herausarbeiten lässt, die wiederum die Gestaltung der Figuren als Typen motiviert: Es wird vom Einzelnen abstrahiert, um übergeordnete Zusammenhänge sichtbar zu machen. Wie funktioniert der Mensch in der modernen Gesellschaft? Was beschränkt ihn in der Ausbildung seiner Möglichkeiten? In welchem Verhältnis stehen Freiheit und soziale Determination? In der Arbeit wird davon ausgegangen, dass eine mögliche Idee von der ›Erneuerung des Menschen‹, wie es Georg Kaiser nennt, direkt mit den soziokulturellen Umständen zusammenhängt und dieser Konnex besser anhand einer funktionalen und typisierten Figurengestaltung vermittelt werden kann, als durch eine individualisierende Figurenkonzeption. Methodisch sollen bei der Analyse der Figurentypen neben den grundlegenden Kategorien von Manfred Pfister unter anderem auch theoretische Ansätze von Ralf Schneider, Fotis Jannidis und Jens Eder herangezogen werden. Die dünne Forschungslage zur Konzeption dramatischer Figuren soll sinnvoll mit den genannten Theorien zur Figur in Erzähltexten ergänzt werden. Darüber hinaus ist es denkbar, soziologische Theorien miteinzubeziehen, um den Rekurs der dramatischen Texte auf die zeitgenössischen sozialen Umstände besser erfassen zu können. Möglich wäre hier die Einbeziehung der Theorien von Max Weber, Georg Simmel und Ferdinand Tönnies.